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love Eckhart Tolle - Emotionen

Ich wollte fragen: Was ist mit positiven Emotionen wie Liebe und Freude?

Sie sind von deinem natürlichen Zustand innerer Verbundenheit mit dem Sein untrennbar. Ein flüchtiges Gefühl von Liebe und Freude oder kurze Momente tiefen Friedens sind möglich, wann immer eine Unterbrechung im Gedankenstrom entsteht. Für die meisten Menschen geschehen diese Unterbrechungen selten und nur zufällig in Momenten, wo der Verstand "sprachlos" ist, manchmal hervorgerufen durch immense Schönheit, außerordentliche körperliche Anstrengung oder sogar durch große Gefahr. Plötzlich ist innere Stille da. Und inmitten dieser Stille ist eine subtile, doch intensive Freude, ist Liebe, ist Frieden. Normalerweise sind solche Momente kurzlebig, da der Verstand schnell seine lärmende Aktivität, die wir Denken nennen, wieder aufnimmt. Liebe, Freude und Frieden können nicht gedeihen, solange du dich nicht von der

Herrschaft des Verstandes befreit hast. Aber sie sind nicht das, was ich Emotionen nennen würde. Sie liegen jenseits von Emotionen auf einer viel tieferen Ebene. Also musst du dir deiner Emotionen vollkommen bewusst werden und fähig sein, sie zu fühlen, bevor du das fühlen kannst, was jenseits von ihnen ist. Emotion bedeutet wortgetreu "Störung". Das Wort stammt vom lateinischen "emovere", das heißt "stören".

Liebe, Freude und Frieden sind tiefe Zustände des Seins oder vielmehr drei Aspekte des Zustands innerer Verbundenheit mit dem Sein. Es gibt für sie deshalb kein Gegenteil. Das ist so, weil sie jenseits des Verstandes entstehen. Emotionen dagegen sind als Teil des dualistischen Verstandes dem Gesetz der Dualität unterworfen. Das bedeutet einfach, dass du das Gute nicht ohne das Schlechte bekommen kannst. Was also im unerleuchteten, mit dem Verstand identifizierten Zustand manchmal fälschlicherweise als Freude bezeichnet wird, ist gewöhnlich nichts anderes als der kurze Moment von Lust innerhalb des ununterbrochen wechselnden Kreislaufs aus Schmerz und Lust. Lust hat ihren Ursprung immer außerhalb von dir, wohingegen Freude aus dir selber kommt. Das, was dir heute ein Lustgefühl bereitet, wird dir schon morgen Schmerzen bereiten, oder es wird dich verlassen und seine Abwesenheit wird dir Schmerzen bereiten. Und das, was so oft als Liebe bezeichnet wird, mag für eine Weile erfreulich und aufregend sein, aber es hat mit Sucht zu tun, mit Festhalten. Es ist ein extrem bedürftiger Zustand, der sich von einem Moment zum anderen in sein Gegenteil verwandeln kann. Viele "Liebes"- Beziehungen bewegen sich nach der anfänglichen Euphorie tatsächlich zwischen "Liebe" und Hass, Anziehung und Kampf hin und her.

Wahre Liebe bringt kein Leid mit sich. Wie könnte sie auch? Sie wandelt sich nicht plötzlich in Hass, genauso wenig wie wahre Freude zu Schmerz wird. Wie ich schon sagte, sogar bevor du erleuchtet bist - bevor du dich von deinem Verstand befreit hast -, magst du kleine Lichtblicke wahrer Freude oder wahrer Liebe erleben, oder einen tiefen inneren Frieden, still und zugleich pulsierend mit Lebendigkeit. Dies sind Aspekte deiner wahren Natur, die normalerweise vom Verstand überdeckt ist. Sogar in einer "normalen" Suchtbeziehung kann es Momente geben, wo die Präsenz von etwas Unverfälschtem, etwas Unzerstörbarem fühlbar ist. Aber es werden nur Lichtblicke sein, die bald wieder von den Einmischungen des Verstandes überdeckt werden. Es mag dann scheinen, als hättest du etwas sehr Wertvolles gehabt und wieder verloren, oder dein Verstand wird dich überzeugen, dass es ohnehin nur eine Illusion war. Die Wahrheit ist, dass es keine Illusion war und du es nicht verlieren kannst. Es ist Teil deines natürlichen Zustandes, der zwar vom Verstand getrübt, nie aber zerstört werden kann. Auch wenn der Himmel stark bewölkt ist, ist die Sonne nicht verschwunden. Sie ist immer noch da, über den Wolken.

Eckhart Tolle - Jetzt! Die Kraft der Gegenwart