love Eckhart Tolle - Liebe

Liebe ist nicht wählerisch, genau wie das Sonnenlicht nicht wählerisch ist. Sie bevorzugt niemanden. Sie ist nicht ausschließlich. Ausschließlichkeit gehört nicht zur Liebe Gottes, sondern zur Liebe des Ego. Allerdings fühlen wir wahre Liebe mit unterschiedlicher Intensität. Es kann einen Menschen geben, der dir deine Liebe klarer und intensiver zurückspiegelt, und wenn derjenige für dich genauso fühlt, dann kann man sagen, dass ihr miteinander in einer Liebesbeziehung seid. Was dich mit diesem Menschen verbindet, verbindet dich auch mit jemandem, der neben dir im Bus sitzt, oder mit einem Vogel, einem Baum, einer Blume. Nur die Intensität, mit der du es wahrnimmst, ist anders.

love Eckhart Tolle - Das Portal

Sicher muss auch Liebe zu diesen Zugängen zählen.

Nein, sie gehört nicht dazu. Sobald eins der Portale sich öffnet, ist Liebe in dir als "fühlende Einsicht" des Einsseins anwesend. Liebe ist kein Portal; sie ist das, was durch das Portal hindurch in die Welt kommt. Solange du völlig in deiner Form- Identität gefangen bist, kann es keine Liebe geben. Deine Aufgabe ist es nicht, nach der Liebe zu suchen, sondern ein Portal zu finden, einen Zugang, durch den die Liebe eintreten kann.

love Eckhart Tolle - Emotionen

Ich wollte fragen: Was ist mit positiven Emotionen wie Liebe und Freude?

Sie sind von deinem natürlichen Zustand innerer Verbundenheit mit dem Sein untrennbar. Ein flüchtiges Gefühl von Liebe und Freude oder kurze Momente tiefen Friedens sind möglich, wann immer eine Unterbrechung im Gedankenstrom entsteht. Für die meisten Menschen geschehen diese Unterbrechungen selten und nur zufällig in Momenten, wo der Verstand "sprachlos" ist, manchmal hervorgerufen durch immense Schönheit, außerordentliche körperliche Anstrengung oder sogar durch große Gefahr. Plötzlich ist innere Stille da. Und inmitten dieser Stille ist eine subtile, doch intensive Freude, ist Liebe, ist Frieden. Normalerweise sind solche Momente kurzlebig, da der Verstand schnell seine lärmende Aktivität, die wir Denken nennen, wieder aufnimmt. Liebe, Freude und Frieden können nicht gedeihen, solange du dich nicht von der

love Jiddu Krishnamurti - Verstand und Liebe

Der Weg führte an einem Bauernhof vorüber und kletterte bergan. Der Blick fiel von oben auf die verschiedenen Gebäude, die Kühe mit ihren Kälbern, die Pferde, die vielen landwirtschaftlichen Maschinen. Der Pfad war hübsch, er führte uns durch Feld und Wald und wurde augenscheinlich auch gern vom Wild benutzt, das hier und dort seine Spuren in der feuchten Erde hinterlassen hatte. Wenn es sehr still um uns war, vernahmen wir noch in weiter Entfernung die Stimmen vom Hof, Gelächter und Radiomusik. Der Hof war offenbar in guten, tüchtigen Händen, er strahlte förmlich von Ordnung und Sauberkeit. Zuweilen hatten die Stimmen einen zornigen Klang, dann übertönten sie sogar den Gesang der Vögel in den Bäumen, und dann verstummte jedes Mal das fröhliche Lachen der Kinder. Plötzlich kam eine Frau aus dem Haus gestürzt und warf die Tür gewaltsam hinter sich zu. Sie eilte zum Viehgehege und drosch mit einem Stock so heftig auf eine Kuh ein, dass man das Prasseln der Schläge bis zu uns herauf hören konnte.


love Jiddu Krishnamurti - Einfachheit des Herzens

Der Himmel war ein blauer Abgrund. Kein Wölkchen zog darüber hin, verschwunden waren die mächtigen, breitbeschwingten Vögel, die so mühelos über Täler und Berge gleiten. Die Bäume standen schweigend, und in den geschwungenen Falten der Hügel nisteten die Schatten. Verzehrt von Neugier folgte uns eine Hirschkuh von weitem mit dem Blick und schoss bei unserem Näherkommen plötzlich mit einem erschrockenen Satz davon. Unter einem Busch saß regungslos und von der braunen Erde kaum zu unterscheiden eine flache, gehörnte Kröte mit glitzernden schwarzen Augen. Im Westen standen die Berge zackig und klar vor der Abendsonne. Weit unter uns lag ein größeres Gebäude mit einem Schwimmbecken davor, in dem sich einige Leute tummelten. Etwas weiter bergab führte die staubige Straße an einer kleinen Hütte vorüber, die auf dürrem, unfruchtbarem Gelände stand. Man ahnte bis zu uns herauf die Armut, den Schmutz und die Plackerei, die dort herrschen mussten. Von oben gesehen lagen die beiden Häuser ganz dicht beisammen, Hässlichkeit und Schönheit berührten einander.

love Jiddu Krishnamurti - Denken und Lieben

Gedanken samt allem, was sie an Gefühl und Leidenschaft umfassen mögen, können niemals Liebe sein. Wo das Denken beginnt, hört die Liebe auf. Alles Denken beruht auf dem Gedächtnis, der Erinnerung; Liebe aber hat mit Erinnerung nichts gemein. Denkst du an jemand, den du liebst, so ist dieser Gedanke nicht Liebe. Du magst dich der Gewohnheiten, des Benehmens, der Neigungen und Vorurteile eines geliebten Menschen entsinnen, magst dir gemeinsame Erlebnisse, schöne oder schlimme, ins Gedächtnis rufen, so sind die Bilder, die du mit deinem Denken in dir weckst, darum noch längst nicht Liebe. Denken ist seiner Natur nach etwas Trennendes. Alles Wissen um Zeit und Raum, um Abschied und Leid ist ein Ergebnis des Denkens, und nur wo das Denken aufhört, kann Liebe bestehen.

love Jiddu Krishnamurti - Einsamkeit

Ihr Sohn war erst kürzlich gestorben, und sie sagte, das Leben habe nun keinen Sinn mehr für sie. Sie habe so viel übrige Zeit, empfinde solche Langeweile und sei so müde und kummerbeladen, dass sie am liebsten selbst gestorben wäre. Ihr Sohn sei ihr Ein und Alles gewesen, sie habe ihn liebevoll, sorgsam und klug erzogen, er habe die besten Schulen besucht und sei zuletzt noch im College gewesen. Obwohl ihr alles zum Leben Nötige reichlich zur Verfügung stehe, habe sie ihn nicht verwöhnt. Sie habe ihren Glauben und ihre Hoffnung auf ihn gesetzt und ihm ihre ganze Liebe geschenkt, die er mit niemand zu teilen brauchte, da sie schon seit längerer Zeit von ihrem Mann getrennt lebe. Dieser geliebte Sohn sei nun an einer Operation gestorben, die auf einer Fehldiagnose beruhte, obwohl, wie sie wehmütig lächelnd hinzufügte, die Ärzte behauptet hätten, der Eingriff sei ›erfolgreich‹ verlaufen. Jetzt war sie allein, und das Leben erschien ihr offenbar sinn- und zwecklos. Als er tot war, hatte sie so lange geweint, bis sie keine Tränen mehr hatte und nur noch eine dumpfe, müde Leere in sich fühlte. Sie hatte sich ihre gemeinsame Zukunft in den schönsten Farben ausgemalt, jetzt aber war sie ganz und gar verloren und verlassen.

love Jiddu Krishnamurti - Eifersucht

Die weiße Wand gegenüber blendete so in der Sonne, dass die Gesichter davon ganz dunkel erschienen. Ein kleines Mädchen setzte sich ohne Zutun der Mutter vertrauensvoll zu mir und verfolgte mit großen, neugierigen Augen das Treiben der Erwachsenen. Das Kind war frischgewaschen, sauber gekleidet und trug ein paar Blüten im Haar. Nach Kinderart verfolgte das kleine Persönchen genau alles, was vorging, ohne allzu viel davon in sich aufzunehmen. Ihre Augen glänzten, sie schien nicht recht zu wissen, ob sie lachen, weinen oder davonspringen sollte. Schließlich nahm sie meine Hand und betrachtete sie eine Weile mit einem ganz versunkenen Ausdruck. Plötzlich aber waren alle Menschen um uns herum vergessen, sie sank mit geschlossenen Augen zur Seite und entschlummerte mit dem Köpfchen auf meinem Schoß. Wie hübsch und wohlgeformt dieses Kinderköpfchen war, wie makellos rein dieser ganze kleine Mensch! Und doch hatte sie vom Leben um keinen Deut weniger an Wirrsal und Elend zu erwarten als alle anderen, die hier versammelt waren. Konflikt und Bitternis waren für sie so unvermeidlich wie das grelle Sonnenlicht auf der Mauer, denn es hätte ja überlegener Einsicht bedurft, um vor Schmerz und Elend bewahrt zu bleiben. Ihre Erziehung aber und die Einflüsse ihrer Umwelt sorgten bestimmt dafür, dass ihr solche Einsicht verwehrt blieb. Die Liebe, diese Flamme ohne Rauch, ist ja ein so seltenes Geschenk in dieser Welt. Flackert sie einmal auf, so gewinnt quälender, alles erstickender Qualm alsbald wieder die Oberhand und reizt die Augen zu Tränen. Durch all den Qualm hindurch ist die Flamme selbst kaum noch zu erspähen, und wenn er allzu dicht wird, erstickt sie am Ende ganz und gar. Ohne die Flamme der Liebe verliert alles Leben seinen Sinn und verwandelt sich in ein müdes, stumpfes Dahinbrüten. Wie aber sollte die Flamme weiterbrennen, wenn ihr der schwarze Qualm die Lebensluft nimmt? Beide können nicht zugleich bestehen, der Qualm muss aufhören, damit die Flamme brennen kann. Da die Flamme der Liebe keine Rivalen kennt, setzt sie sich auch nicht gegen den Qualm zur Wehr. Der Qualm ist nicht die Flamme und kann sie nicht in sich bergen, er ist kein Beweis dafür, dass sie brennt, denn die Flamme der Liebe brennt ohne Rauch.